Quilt zeigt Parkinson mit vielen Gesichtern

Mehr als drei Jahre hat die Hamburgerin May Evers an diesem Quilt gearbeitet. Bis sie ihr Kunstwerk aus feinen Nadelstichen in diesem Jahr zum Weltparkinsontag erstmals öffentlich präsentieren konnte. Auf ihrem Blog „Der erste Fisch“ schreibt sie selbst dazu: „Mich erfüllte eine Mixtur aus Ehrfurcht, Wehmut und Stolz auf das abgeschlossene Projekt.“

Entstanden ist die Idee zu diesem sehr aufwändigen Wandteppich, als ein anderes Mitglied ihrer Parkinson-Gruppe Porträtfotos im Stil der Pop-Art gemacht hatte. Das gefiel May Evers sehr gut und regte sie an, selbst kreativ zu werden. „Ich kann nicht malen oder zeichnen, also hab ich das gemacht, was ich am besten kann: Stricken, häkeln und sticken,“ erinnert sie sich an den Beginn des Projektes.

Vor zehn Jahren hat die heute Sechzigjährige ihre Diagnose Parkinson erhalten. In diesem Jahrzehnt hat sie sich nicht nur um ihre eigene Erkrankung gekümmert, sondern sich sehr intensiv ehrenamtlich dafür engagiert, das Leben für Menschen mit Parkinson zu verbessern. So etwa bei der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung, PingPongParkinson e.V., PD Avengers Deutschland und anderen Organisationen. So war auch klar, dass Parkinson das Thema ihres gestickten Kunstwerks werden sollte.

„Parkinson hat viele Gesichter und hinter dem medizinischen Oberbegriff stehen Menschen mit vielen Gesichtern. Die Erkrankung kann sehr unterschiedliche Verläufe nehmen, deshalb kann man nicht von der Parkinsonkrankheit sprechen. Und zugleich gibt es viele Erfahrungen, die den Betroffenen gemeinsam sind und die uns verbinden. Das wollte ich in einem Bild ausdrücken, einem Porträt, das aus ganz vielen einzelnen Porträts besteht,“ so beschreibt May Evers die Entstehungsgeschichte ihres Quilts. Insgesamt sind es 185 Porträts geworden und die Künstlerin selbst blickt einem natürlich auch vom Quilt herab in die Augen.

In ihrer Parkinsongruppe hat sie dann andere gebeten, ein Porträtfoto für ihre Arbeit zur Verfügung zu stellen und sehr schnell kamen die ersten Fotos zusammen. Während der Pandemie wurden die Kontakte virtueller, dadurch hat sich der Radius erweitert und es kamen auch Fotos aus anderen Regionen und Ländern dazu. Für jedes Porträt verwendete sie ein kleines quadratisches Stück Stoff in verschiedenen Farben und stickte die Konturen eines Gesichtes von Hand darauf. So kam die dritte Dimension dazu und verleiht nun den Porträts eine plastische Anmutung.

„Viele Menschen haben mit dem Foto auch ihre Geschichte geschickt und ein Stück ihres Lebens mit mir geteilt. Das hat mich mit ihnen verbunden und ich wollte gerne etwas zurückgeben. Deshalb habe ich jedes einzelne gestickte Porträt fotografiert und an den Menschen zurückgeschickt. Denn es war ja klar, dass die gesamte Arbeit Jahre benötigen würde und so lange sollten diejenigen, die mir ein Foto zur Verfügung gestellt hatten, nicht warten müssen,“ so May Evers heute.

Nadelarbeiten sind das Hobby der Hamburgerin und auch mit Parkinson geht das bis heute ganz gut. Und bei einer Off-Phase legt sie die Nadel zur Seite. „Ich sehe ja auch, wie diese feinen Handarbeiten dazu beitragen, meine motorischen Fähigkeiten zu trainieren und so zu erhalten. Genau wie Tanzen, PingPong und viele andere Aktivitäten. Und es macht Freude,“ so ihr Fazit.

Die Fotos hat uns Frau Evers freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
Die Fotografin ist Anita Borchers.